Unentdecktes Singapur – Ein Schmelztiegel aus Tradition und Moderne

Der warme Regen prasselt unaufhörlich auf das Dach des prunkvollen Tempels. Mit einem lauten Platschen landen die dicken Tropfen zuerst auf den grünen Blättern der hübsch angepflanzten Bäume und Sträucher und schließlich auf dem glänzenden Steinboden…

Der süßliche Duft von Räucherstäbchen und Orchideen kitzelt mir in der Nase. Die Stille hier oben, auf dem kleinen Dachgarten des berühmten Buddha Tooth Relic Tempels, mitten im Herzen von Singapurs Chinatown, ist berauschend. Vom dichten Verkehr der morgendlichen Rush Hour und dem allgegenwärtigen Gewusel auf den Straßen der Stadt bekomme ich absolut nichts mit. Nur das schleifende Geräusch der von ein paar Gläubigen unaufhörlich angeschobenen, riesigen Gebetsmühle, der helle Gong bei jeder vollen Drehung und natürlich der Regen sind zu hören.

Obwohl der prächtige Tempel eine der Hauptattraktionen von Singapur darstellt, verirren sich nur wenige Menschen auf die stille Dachterrasse mit dem kleinen botanischen Garten, der schönen Pagode und den vielen Orchideen. Die meisten kommen nur, um kurz den vermeintlichen Zahn Buddhas zu bestaunen, der im vierten Stock des Tempels in einem goldenen Schrein aufbewahrt wird. Über diese Tatsache bin ich wirklich froh, denn sonst wäre die fast schon magische Atmosphäre ganz schnell von diesem Ort verschwunden…

Am späten Vormittag schlendere ich andächtig durch die malerischen, vom Tourismus noch weitestgehend unentdeckten Straßen des quirligen Stadtviertels Katong. Die Sonne bricht endlich durch die Wolken und lässt die alten, traditionellen Shophouses der hiesigen Peranakan-Kultur noch bunter als sonst leuchten. Dass es sich hier, rund um die Joo Chiat Road, um die wohl schönsten Häuser Singapurs handeln soll, kann ich nur bestätigen.

Auch die winzige Chin Mee Chin Confectionery befindet sich in solch einem farbenfrohen Haus. Hier lasse ich mir mein spätes Frühstück in Form von weichgekochten Eiern, starkem Kopi mit gezuckerter Kondensmilch und dem traditionellen Kaya Toast so richtig schmecken. Die für mich anfangs etwas ungewohnte Kombination aus salzigen Eiern und süßer, grüner Kokosmarmelade schmeckt unerwartet gut. Nur diese besondere Eierschlürftechnik bekomme ich noch nicht ganz so gut hin wie mein Tischnachbar.

Den Geheimtipp Katong habe ich von einem Einheimischen auf dem Dachgarten des Zahntempels bekommen. Ein Glück, denn hier gibt es so viel Unbekanntes zu entdecken! Wieder einmal spaziere ich durch die bunten Gässchen und staune nicht schlecht über die emsigen Holzschnitzer, die noch mit Hammer und Meißel und in feinster Handarbeit große Holzschilder bearbeiten. Für die Eingangstüren der prächtigen Shophouses versteht sich. In Katong geht alles noch ein bisschen traditioneller zu als in vielen anderen Teilen Singapurs.

Kurze Zeit später knurrt mir schon wieder der Magen und ich mache mich auf die Suche nach einem weiteren Insidertipp. Gut, dass Singapur berühmt für seine unglaublich vielseitige und ausgezeichnete Küche ist! Das kleine Restaurant „328 Katong Laksa“, auf der East Coast Road gelegen, kreiert das beste Laksa der gesamten Stadt, zubereitet nach einem Geheimrezept der Familie. Die pikante Nudelsuppe schmeckt herrlich nach cremiger Kokosmilch, getrockneten Garnelen und vietnamesischem Koriander. Die perfekte Beilage? Otah: würzige Fischküchlein, gegrillt im Bananenblatt!

Den Abend lasse ich in der Skybar „CÉ LA VI“ des weltberühmten Marina Bay Sands Hotels ausklingen. Unverschämt leckere Cocktails und super Timing. Die Sonne versinkt langsam, und so schön wie in einem Hollywoodstreifen, genau hinter der atemberaubenden Skyline Singapurs und malt gelb- orangefarbene Kunstwerke in den nachtblauen Himmel. Ich bekomme vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu.

Singapur ist unglaublich vielseitig und lebt von seinen Kontrasten. Angesagte Skybars auf futuristischen Wolkenkratzern, darunter auch die höchste der Welt, wechseln sich ab mit idyllischen Parks und Gärten voller Beschaulichkeit und Ruhe. Kleine traditionelle Garküchen verwöhnen die Geschmackssinne ebenso wie die edlen Sternerestaurants der Stadt, und faszinierende Lightshows begeistern genau wie jahrhundertealte Teezeremonien.

Mit seiner aufregenden Mischung aus gelebter Tradition und beeindruckender Moderne hat Singapur mein Herz vom ersten Tag an verzaubert und bis heute nicht mehr losgelassen!

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