Vom Garten in der Stadt zur Stadt im Garten

Entdecken Sie die Geschichte hinter einer der grössten urbanen Verwandlungen der Moderne.

Der 11. Mai 1963 war einer der bedeutendsten Tage in der noch relativ kurzen Geschichte Singapurs. Doch wenn Sie die Einwohner der Stadt auf der Orchard Road danach fragen, wird vermutlich kaum einer wissen, warum dieses Datum so wichtig ist.

An jenem Tag stellte Premierminister Lee Kuan Yew (auch bekannt als LKY) sein Projekt einer «Gartenstadt» vor. Sein ehrgeiziger Plan sah vor, «Singapur in eine Stadt zu verwandeln, die sich durch weitreichende Grünflächen und eine saubere Umgebung auszeichnet, um das Leben für die Menschen angenehmer zu machen». Des Weiteren plante er, durch abfallfreie Strassen mehr Touristen und ausländische Investoren anzuziehen.

Ein halbes Jahrhundert, nachdem Premierminister Lee einen Mempat Baum als Symbol für die Verwandlung der Stadt pflanzte, ist sein Wunsch Wirklichkeit geworden: Singapur hat sich von einer Stadt mit einem Garten in einen Garten mit einer Stadt verwandelt.

Ende des Jahres 1970 waren bereits 55’000 Bäume gepflanzt worden, und ein Jahr später wurde der Baumpflanztag eingeführt, um Studenten, die Führungskräfte der Basis und die Einwohner aufzufordern, die Idee weiter umzusetzen. Mitte der 1970er-Jahre beauftragte die Regierung Agenturen, bei der Planung von Siedlungen, Parkplätzen, Strassen und anderen kommunalen Flächen ebenfalls Raum für Grünflächen zu berücksichtigen. All diese Initiativen hatten – und haben – einen Einfluss auf den Ruf der Stadt als die Garden City. 1974 waren 158’600 Bäume gepflanzt worden, und 2014 stieg die Zahl auf 1,4 Millionen.

Doch nicht die grossen und teuren Projekte machen Singapur so besonders. Oftmals sind die kleinsten Dinge von grösstem Interesse. Wer genau hinsieht, kann in der ganzen Stadt kleine Hinweise entdecken, die auf das Engagement von einzelnen Personen und Gruppen verweisen. Betonmauern werden durch kleine Pflanzungen verdeckt, und überall entstehen Brücken und Fussgängerüberwege, die die Grünflächen miteinander verbinden.

In einem Bericht der US-Nachrichtenagentur ABC aus dem Jahr 2012 heisst es: «Die Regierung geht ungewöhnliche Wege, um sicherzustellen, dass die Stadt ein Ort bleibt, an dem Pflanzen und Parks harmonisch mit der Stadt wachsen.»

Auch heute noch hat das Engagement, die Stadt in eine echte Garden City zu verwandeln, nichts von seinem ursprünglichen Elan verloren. Auf der offiziellen National Parks Website hat die Regierung sechs Grundsätze aufgelistet, die von LKY vor über einem halben Jahrhundert zur Umsetzung des Projekts festgelegt wurden:

 

  • Die Bewohner motivieren, um gemeinsam ein grüneres Singapur zu schaffen
  • Die Kompetenzen der Landschafts- und Gartenbaubranche erweitern
  • Die Artenvielfalt in der urbanen Umgebung bereichern
  • Gärten von Weltklasse schaffen
  • Den urbanen Raum durch mehr Grünflächen und Erholungsmöglichkeiten optimieren
  • Die städtischen Parks aufforsten und das Strassenbild beleben

 

Dank dieser sechs Punkte wurde die Tier- und Pflanzenwelt bereichert, und weitere Gebiete wurden zu Naturschutzgebieten erklärt. Die Fakten sprechen für sich:

Einwohnerzahl von Singapur: 5,4 Millionen
Grossraum Singapur: 718 sq.km
Anteil an Parks und Naturschutzgebieten: 9’700 ha (Fläche insgesamt = 71’900 ha)
Anzahl der Parks: 330

Von dem 50 Jahre alten Projekt der Stadt profitieren nicht nur die Stadtteile, sondern es gibt ebenfalls zahlreiche «grüne» Attraktionen in Singapur, die Sie bei Ihrem Aufenthalt unbedingt besichtigen sollten.

Gardens by the Bay

Gardens by the Bay ist ein 1-Milliarden-Singapur-Dollarprojekt, das sich auf 101 Hektar zurückgewonnenes Land erstreckt. Zu den weiteren atemberaubenden Sehenswürdigkeiten zählen die SuperTrees, faszinierende vertikale Gärten mit Weltraumbiodomen, Konservatorien, der Flower Dome, der Cloud Forest und ein unglaublicher Garten für Kinder.

Southern Ridges

Die Southern Ridges ist eine 9 km lange Strecke aus miteinander verbundenen Parks und Hügeln, die nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt liegen. Hier kann man die unglaubliche Tier- und Pflanzenwelt von Singapur von oberhalb der Baumgrenze beobachten.

Macritchie Reservoir

Im Macritchie Reservoir kann man über eine 250 Meter lange, frei schwebende Hängebrücke durch die Baumkronen wandern, um im wahrsten Sinne des Wortes die Waldvögel, Riesengleiter und Langschwanzmakaken aus der Vogelperspektive zu beobachten.

Pulau Ubin

Und nicht zu vergessen die unglaublichen Radwege auf der kleinen Insel Pulau Ubin und der brandneue, für 3 Millionen Singapurdollar errichtete nachhaltige Park auf Coney Island. Hier leben 80 verschiedene Vogelarten und fast 160 Tierarten.

Halten Sie bei einem Besuch auf Coney Island Ausschau nach dem Brahmanbullen, der auf der Insel umherstreift. Niemand weiss genau, wie er auf der Insel gestrandet ist und soweit die Behörden wissen, hat niemand einen Bullen als vermisst oder gestohlen gemeldet – und so lange kann er weiter alleine umherziehen.

Singapore Botanic Gardens

Eine der grössten Sehenswürdigkeiten bei einer Tour durch die Garden City sind die Singapore Botanic Gardens.

Dieser tropische Garten ist der einzige auf der Welt, der von der UNESCO zur Welterbestätte ernannt wurde. Hier gibt es unglaublich viel zu sehen und zu erleben – der perfekte Tagesausflug für die ganze Familie.

Im Laufe der nächsten zehn Jahre werden weitere ambitionierte Landschaftsprojekte umgesetzt, um die Identität von Singapur weiter nach den Wünschen von LKY zu formen.

Eines dieser Projekte ist der Jewel Changi Flughafen, um – wie bei den anderen Projekten – funktionale, praktische, das Umweltbewusstsein fördernde und vor allem attraktive Outdoor-Räume zu schaffen, die den Einwohnern und Touristen der Stadt Singapur tagtäglich zur Verfügung stehen.

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